Schreiben im Dialog – Schreibwerkstätten in Mittel- und Osteuropa
Im Rahmen eines Symposiums zu der Lyrikerin Rose Ausländer im Bukowina Zentrum an der Universität Czernowitz entsteht im Jahr 2001 die Idee, in Czernowitz eine eigene Schreibwerkstatt zu initiieren und diese mit den Werkstätten des Literaturhauses Stuttgart zu vernetzen. Seither führen die reisenden Literaturhaus-Dozenten (und die zum Teil mitfahrenden deutschen Schüler) in Sachen „multinationaler Spracharbeit“ in Mittel- und Osteuropa zahlreiche Schreibwerkstätten mit unterschiedlichen Partnereinrichtungen durch. „Nach einem menschlichen Schritt bleiben immer Spuren zurück“, schreibt Andrzej Stasiuk. Und Texte auch, könnte man hier hinzufügen.
Die Werkstattteilnehmer vor Ort – Schüler und Studenten – nähern sich in den Geschichten, Miniaturen, Verdichtungen, Szenen und Comics dem Deutschen als Fremdsprache oder kommen aus Regionen, in denen einst die deutsche Sprache zu Hause war. Bisweilen entstehen Bilder, die aus der Unübersetzbarkeit der jeweiligen Landessprache(n) ins Deutsche ihre Kraft gewinnen. An anderer Stelle sind Wörter oder Sätze zu lesen, die mit ihrer nicht dudenkorrekten Schräglage eine reizvolle Spannung erzeugen, in der jene poetische Energie zum Ausdruck kommt, die nicht nach „falsch“ oder „richtig“ zu beurteilen ist. Es gibt ganze Textpassagen, die – aus der Kultur der einen Sprache in die Kultur der anderen Sprache gesagt – einen Dialog ermöglichen. Einen anregenden, europäischen Dialog, der sich weiter schreibt.
Hinweis:
Interessierte Gruppen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten, sind jederzeit herzlich willkommen. Wenden Sie sich bitte im Literaturhaus an Herrn Krottenthaler.