Die Schreibwerkstatt in Czernowitz
Mit Schreiben im Dialog wurde der Versuch gestartet, die Stuttgarter Werkstätten mit verschiedenen Standorten in Mittel- und Osteuropa zu vernetzen, um über gemeinsame Projekte einen lebendigen Austausch zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unterschiedlichen Ländern zu schaffen. Diese Idee haben wir in Czernowitz (ukr. Tscherniwzi), der Hauptstadt der Bukowina an den Ausläufern der Karpaten im Westen der Ukraine, aufgegriffen: Seit Oktober 2003 treffen sich interessierte Schüler, Studierende und junge Dozenten einmal pro Woche zur Czernowitzer Schreibwerkstatt. Der deutschen Sprache ist dieser Ort besonders verpflichtet – bis zum Ende des I. Weltkriegs war die Stadt Teil der Habsburger Monarchie. Für die deutschsprachige Literatur so bedeutende Dichter wie Paul Celan und Rose Ausländer wurden hier geboren. Aber es ist weniger die Geschichte der Stadt, die dazu anregt, auf Deutsch zu schreiben – es ist ein ganz gegenwärtiges Interesse am Schreiben, an Literatur und am Austausch mit Deutschland. Die Schreibwerkstatt ist ein Ort, an dem unter Anleitung gemeinsam Texte entstehen. Hier soll vor allem die Lust am kreativen Umgang mit der Sprache gefördert werden. Ziel ist es, die jungen Autoren in ihrem Schreiben ernst zu nehmen, mit ihnen Schreibtechniken zu erlernen, und verschiedene literarische Formen kennenzulernen. Und natürlich soll das auch Spaß machen. So geht es vor allem darum, ein Gefühl für den Einsatz sprachlicher Mittel und ihrer Wirkung zu entwickeln – was macht einen Text gut und warum? Dabei stellen wir oft fest, dass sich deutsche Schreibtraditionen von ukrainischen unterscheiden. So sind bei gemeinsamen Schreibprojekten mit Stuttgart häufig beide Seiten erstaunt, wie unterschiedlich gleiche Vorgaben bearbeitet wurden.
„Werkstatt“ heißt bei uns, dass es hier vor allem um den Prozess des Schreibens geht, um das Experimentieren mit Fremdsprache, nicht um perfekte und fehlerfreie Schreibresultate, denn – was nicht vergessen werden sollte – die Teilnehmer schreiben ihre Texte immerhin in deutscher Sprache. Und das durchaus erfolgreich.
Die bisherigen Schreibprojekte aus Czernowitz bzw. zwischen Czernowitz und Stuttgart sind im Folgenden dokumentiert.
Kathrin Hartmann, Oxana Matyichuk und Stefanie Stegmann
(Initiatoren der Schreibwerkstatt in Czernowitz)
Bernd Böttcher
* 1977 in Dresden, 1998-2004 Studium der Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt(Oder), 2000-2001 Studium der Polonistik und Kulturwissenschaften an der Uniwersytet Warszawski, Warschau (Polen), Tätigkeit im Verlagswesen. Seit August 2005 im Rahmen des Robert-Bosch-Kulturmanagerprogramms Projektleiter am Bukowina-Zentrum der Universität Tscherniwzi tätig und dort u.a. für die Koordinierung und Organisation des Projektes zuständig.
Oxana Matiychuk
* 1977 in Tscherniwzi, Ukraine, Studium an der Tscherniwzier Nationalen Universität, Germanistik & ukrainische Philologie,1998-2002 Mitarbeiterin des Bukowjna-Zentrums und der Österreich-Bibliothek an der Universität Tscherniwzi, 1999-2002 Deutschlehrerin am Pädagogischen Kolleg der Universität Tscherniwzi. 2002-2004 Robert-Bosch-Gastdozentin für interkulturelle Literatur an der PH Ludwigsburg (Deutschland). 09/2004 – 10/2005 - Mitarbeiterin des Bukowjna-Zentrums und der Österreich-Bibliothek an der Universität Czernowitz. Seit 10/2005 – Mitarbeiterin des Akademischen Auslandsamtes der Universität Tscherniwzi, zuständig für die Zusammenarbeit mit dem deutschsprachigen Raum, Doktorandin am Lehrstuhl für ausländische Literaturgeschichte und Literaturtheorie. Leitet seit 09/2004 zusammen mit Dr. Stefanie Stegmann, seit 09/2005 mit Dr. Karin Leich die Schreibwerkstatt. Zurzeit als DAAD-Stipendiatin in Deutschland.
